111. Was Yaks uns über Führung lehren (Rosula Blanc)

„Er kommt nicht unter mir, sondern wächst auf meine Ebene hoch.“

– Rosula Blanc

Rosula Blanc mit ihrer Yak-Herde im Wallis – Führung mit Tieren, Folge 111

Rosula Blanc lebt seit vielen Jahren mit einer Herde Yaks im Wallis, die sich nicht am Halfter führen lässt. Ihre Karawane organisiert sich weitgehend selbst, während sie selbst nur Raum, Richtung und Präsenz vorgibt. In dieser Folge von Business Intuition & More spricht Michi mit ihr darüber, was Führung mit Tieren über Kontrolle, Vertrauen und echte Partnerschaft verrät.


Über den Gast

Rosula Blanc lebt im Wallis, wo sie eine Herde Yaks hält und Trekkingtouren durch die Berge anbietet. Nach fünf Jahren als Butō-Tänzerin in Japan kehrte sie in die Schweiz zurück und entdeckte über eine Verkaufsanzeige die Yaks für sich – seither baut sie eine auf Beobachtung und Vertrauen basierende Beziehung zu ihrer Herde auf. Sie ist Autorin des Buchs "Die Stille der Yaks". Eine grosse Reise führte sie mit ihren Yaks von den Alpen bis ans Mittelmeer.


Worum es in dieser Folge wirklich geht

  • Wie Rosula Blanc eine Karawane von rund zehn Yaks ohne Halfter führt
  • Was ihre fünf Jahre als Butō-Tänzerin in Japan mit ihrer heutigen Arbeit zu tun haben
  • Das Konzept des persönlichen Raums zwischen Hirte und Herde
  • Warum Rosula unsere Vorstellung von „Fehlern“ infrage stellt
  • Wie sich die Beziehung zu ihrem Leittier Naulek vom Diensttier zur Partnerschaft entwickelte
  • Die Rolle von Stille, Alleinsein und Intuition in ihrem Alltag
  • Ihre grosse Reise von den Alpen bis ans Mittelmeer als Wendepunkt
  • Warum sie sich selbst eher als Kriegerin denn als Therapeutin sieht

Führung mit Tieren – worum es geht

Führung mit Tieren bedeutet für Rosula Blanc, einer Herde von rund zehn Yaks Raum zu geben, statt jedes einzelne Tier zu kontrollieren. Sie beschreibt ihre Karawane als eigenen Organismus, den sie von aussen begleitet, statt ihn von innen zu steuern. Diese Haltung – Führung durch Präsenz statt durch Zwang – zieht sich durch das ganze Gespräch.


Hör diese Folge, wenn…

  • Dich interessiert, wie Führung mit Tieren jenseits von Kontrolle und Dressur aussehen kann
  • Du wissen willst, was persönlicher Raum und Präsenz mit echter Führung zu tun haben
  • Dich unkonventionelle Lebenswege faszinieren
  • Du dich für intuitive, nonverbale Kommunikation interessierst
  • Du eine Pause von lauten, schnellen Antworten suchst und stattdessen etwas Stilles hören willst

Zentrale Erkenntnisse

  • Führung ohne Kontrolle bedeutet, der Karawane als Organismus Raum zu geben, statt jedes Tier einzeln am Halfter zu halten
  • Was wir als Fehler bezeichnen, hängt für Rosula stark davon ab, ob überhaupt ein festes Ziel existiert
  • Echte Verbindung entsteht durch das Zulassen von Eigenständigkeit und das Vertrauen in die Fähigkeiten des Gegenübers
  • Der Wendepunkt vom Diensttier zum Partner kam, als Rosula erkannte: Sie muss den Yaks nicht zeigen, wo sie hintreten sollen – sie lernt von ihnen genauso viel, wie die Tiere von ihr lernen
  • Stille und Alleinsein sind für sie der Zugang zu tieferer Wahrnehmung, jenseits von reinem, oberflächlichem Denken
  • Fünf prägende Jahre in Japan als Butō-Tänzerin legten den Grundstein für ihre spätere intuitive Arbeit mit den Yaks
  • Rosula sieht sich selbst eher als Kriegerin auf einem japanisch geprägten Weg zur Selbsterkenntnis denn als Therapeutin
  • Der Nachtplatz für die Herde ist eine gemeinsam erarbeitete Konvention, die auf Vertrauen beruht

Starke Zitate

„Das Tier lernt und lernt mir was.“

– Rosula Blanc

„Was sind Fehler?“

– Rosula Blanc

„Ich arbeite mit der Karawane als Organismus, also eigentlich wie ein Tier.“

– Rosula Blanc

„Er kommt nicht unter mir, sondern wächst auf meine Ebene hoch. Wir fangen an, wirklich zu kommunizieren.“

– Rosula Blanc

„Du kannst nicht die grundsätzliche Natur von einem Lebewesen abändern.“

– Rosula Blanc

„Ich gebe, was ich gebe.“

– Rosula Blanc


Ausführliche Zusammenfassung

Teaser & Intro: Eine Frau, die mit ihren Yaks ohne Halfter lebt

Die Folge beginnt mit einem Vorgriff: Rosula sagt, sie hätte gerne mehr Zusammenarbeit mit ihren Tieren – „das Tier lernt und lernt mir was“. Danach führt Michi ins Wallis, zu einer Frau, die mit ihren Yaks ohne Halfter lebt und ihren Weg im gebirgigen Gelände selbst findet. Rosula freut sich über den weiten Weg, den Michi auf sich genommen hat.

Energiearbeit: Was der Butō-Tanz in Japan sie über Präsenz lehrte

Rosula erklärt, wie sie in fünf Jahren als Tänzerin in einer Butō-Kompanie in Japan geschult wurde, Energie im Raum wahrzunehmen. Für sie habe im Tanz die Energie im Vordergrund gestanden, mehr als die reine Form; als Licht- und Soundoperatorin lernte sie, den Moment zu spüren, in dem eine Improvisation „nicht mehr lebt“. Genau dieses Gespür für Präsenz und Energie überträgt sie heute auf ihre Arbeit mit Hirten und Yaks.

Der persönliche Raum zwischen Hirte und Herde

Auf die Frage, wie sie einem neuen Karawanenführer ihre Arbeit erklären würde, beschreibt Rosula das Konzept des persönlichen Raums: Jedes Lebewesen habe seinen eigenen Raum, und je näher ein Tier am Wildtier sei, desto grösser sei dieser Raum und desto schneller werde es gestresst, wenn jemand hineintritt. Das gelte für einzelne Tiere ebenso wie für die ganze Herde.

Kurzer Break: Like, Abo und das Reconnect Retreat

Kurzer Unterbruch für einen Hinweis auf Like und Abo sowie das Reconnect Retreat im November in Riehen bei Basel, bevor das Gespräch mit Rosula weitergeht.

Die Karawane als Organismus: scheue Tiere und die Sprache der Hörner

Rosula beschreibt die Karawane als eigenen Organismus: Der Hirte muss lernen, den Raum der Karawane zu spüren und sich zu positionieren, ohne den Tieren „vor der Nase zu kleben“. Am Beispiel ihrer ersten, sehr scheuen Yaks erzählt sie, wie sie lernte, sich in kleinen Schritten über zwei Meter Distanz zu nähern und die Tiere zu fragen, statt sie einfach anzufassen. Sie erklärt zudem, wie Yaks mit ihren Hörnern kommunizieren – ähnlich wie Menschen mit Handbewegungen.

Ohne Halfter: Wie sich die Karawane selbst organisiert

Rosula erläutert, warum sie ihre rund zehn Tiere starke Karawane nie einzeln am Halfter führt: Das würde den Organismus der Herde zerschneiden. Stattdessen organisieren sich die Tiere ihre Reihenfolge selbst – ein fluider Prozess. Aus einem gescheiterten Versuch, das vermeintliche Leittier anzubinden, lernte sie, dass Kontrolle über Einzeltiere die Dynamik der ganzen Gruppe stört.

Highlights, Hochsensibilität und Präsenz als Genussmoment

Ihre eigentlichen Highlights erlebt Rosula am liebsten ohne Gäste, wenn sie sich zu hundert Prozent auf die Tiere konzentrieren kann. Sie erkennt sich selbst in der Hochsensibilität der Yaks wieder – auch sie mag keine aufgezwungene Nähe. Beim morgendlichen Abbau des Nachtplatzes lässt sie bewusst nur eine Person aktiv sein, während alle anderen ruhig stehen bleiben, weil die Tiere als Spiegel ihres emotionalen Zustands reagieren. Für Rosula gibt es nichts, das sie so sehr in den Moment bringt wie diese Arbeit – im Gegensatz zur Meditation auf dem Sofa, bei der die Gedanken ungestraft abschweifen können. Die Herde zeigt ihr sofort, wenn sie selbst nicht präsent ist, etwa wenn eine ihrer erfahrenen Hirtinnen ins Zweifeln gerät und sich die Unsicherheit bis durch die ganze Herde spürbar macht.

Das Leittier-Konzept und die Frage, ob Yaks Fehler machen

Rosula unterscheidet zwei Führungsrollen: den Stier, der meist hinten läuft und die Herde von Gefahren abschirmt, und ein Leittier vorne, das durch Intelligenz und Geländelesen überzeugt, weniger durch reine Kraft – aktuell ist beides in einem Tier vereint. Auf die Frage, ob sich Yaks verirren, kontert sie mit der Gegenfrage „Was sind Fehler?“: Ohne festes Ziel gebe es für die Tiere keine falschen Wege, nur die Suche nach Futter und einem guten Ort.

Wie Wasser: Bewegung, Schreckreaktion und die Grenze zwischen Freiheit und Bindung

Rosula vergleicht die Bewegung ihrer Herde im Gelände mit fliessendem Wasser, das sich seinen Weg sucht – schnell dort, wo es steil wird, langsam, wo es flach ist. Sie erklärt die typische Schreckreaktion der Yaks auf plötzliche Bewegungen und warum man ihnen danach Raum geben muss. Beim Thema Freiheit und Gefangenschaft stellt sie klar, dass sie ihre Tiere nie anbindet – der nächtliche Zaun sei eine gemeinsam erarbeitete Konvention und funktioniere nur, wenn der zugewiesene Platz für die Tiere auch stimmt.

Mehr als Nutztiere: Das ungenutzte Beziehungspotenzial

Rosula vergleicht ihre Yaks mit Hunden: Anders als bei klassischen Nutztieren, die ständig eingesperrt und kontrolliert werden, gebe man ihnen kaum je die Möglichkeit, eine tiefere Bindung zu zeigen. Mit ihrem Leittier Naulek geht sie inzwischen bewusst Risiken ein und lässt ihn nachts frei, statt ihn anzubinden – eine Erfahrung, die sie als sehr berührend beschreibt, weil sich eine hundeähnliche Bindung entwickelt hat.

Kommunikation ohne Worte: Wo liegen die Grenzen?

Auf die Frage nach den Grenzen der Kommunikation antwortet Rosula, vieles laufe auf einer unbewussten Ebene ab: Wenn sie in ihrer Absicht ganz klar sei, wisse Naulek offenbar, was als Nächstes passiert. Sie erzählt, wie ihre Herde ihr Territorium seit 18 Jahren kennt und selbst bei einem nur symbolischen Zaun bleibt, weil das Leittier eine besondere mentale Verbindung zu ihr habe. Auch umgekehrt nimmt sie Signale der Tiere wahr, etwa wenn eines krank ist, ohne genau sagen zu können, woran sie das erkennt.

Von Basel über fünf Jahre Japan zu den Yaks

Rosula korrigiert eine Falschaussage im Gespräch – ihr Japan-Aufenthalt liegt 30, nicht zwei Jahre zurück – und schildert ihren Weg: Als Kind sehr tierverbunden, aber ohne Zugang zu grösseren Tieren, ging sie als junge Erwachsene nach Japan, um aus dem konventionellen Weg auszubrechen. Erst nach der Rückkehr, durch ein Haus mit Land und einen Zufallsfund in einer Verkaufsanzeige, kam sie zu ihrem ersten Yak, Kubilai.

Kein Buch, keine Anleitung: Alles selbst herausfinden

Da es keinerlei schriftliche Anleitung zur Ausbildung von Yaks gibt, musste Rosula alles selbst herausfinden – eine Mischung aus intellektueller Recherche und reinem Körpergefühl, das sie auch ihren Hirtenanwärtern nicht abnehmen kann. Sie beschreibt sich als einsam in dieser Arbeit und wünscht sich mehr Austausch und Forschungsprojekte; zugleich sehnt sie sich nach mehr Raum, ihre Tiere frei experimentieren zu lassen, was die Enge der Schweiz kaum zulässt.

Von Ost-Tibet in die Schweiz: Eine gemeinsame Sprache mit den Yaks

Ein Aufenthalt in Osttibet bei Yak-Herden zeigte Rosula, dass sie auch dort mit den Tieren auf eine ihr vertraute Weise kommunizieren konnte, obwohl sie weder Chinesisch noch Tibetisch spricht. Besonders beeindruckte sie, wie die dortigen Yaks selbstständig durch fremde Herden hindurch zu ihrer eigenen Herde zurückfanden – ein Verhalten, das sie auch bei ihren eigenen Tieren beobachtet hat, wenn diese kurzzeitig weggebracht wurden.

Stille, Alleinsein und der Blick nach vorn

Ihr Buch trägt den Titel „Die Stille der Yaks“, weil die Tiere sie – nicht weil sie selbst still sind – in eine tiefe Stille bringen. Rosula beschreibt Alleinsein als wertvoll statt einsam und kritisiert eine Kultur der ständigen Ablenkung, die tieferes Nachdenken über existenzielle Fragen verhindert; reines Denken ohne Spüren hält sie für wenig weitsichtig, weil Intuition oft die wertvolleren Hinweise liefere. Auf die Frage nach der Zukunft sagt sie, sie wolle den Rückzugsort und die Naturverbindung so lange wie möglich aufrechterhalten, bleibe aber offen für Neues. In der Karawane sieht sie sich weniger als Therapeutin denn als Kriegerin im japanischen Sinn – ein Weg zur Selbsterkenntnis und Meisterschaft, geprägt von fünf entscheidenden Jahren in Japan zwischen 19 und 25.

Der Wendepunkt: Als aus dem Diensttier ein Partner wurde

Die grosse Reise von den Alpen bis ans Mittelmeer wurde zum Wendepunkt: Statt der erwarteten wachsenden Unterwürfigkeit erlebte Rosula, wie ihr Leittier zunehmend zum Partner wurde und begann, wirklich mit ihr zu kommunizieren. Ein altes Video vom Gletscherübergang zeigt den Moment, in dem ihr Ex-Partner sie aufforderte, die Tiere einfach machen zu lassen – seither versteht sie ihre Rolle weniger als Dressur, mehr als Coaching der eigenen Begabungen der Tiere.

Was noch alles möglich ist – und warum sie nie die perfekte Tänzerin war

Auf die Extrapolations-Frage, was passiert, wenn sie in Zukunft gleich schnell weiterlernt wie in der Vergangenheit, antwortet Rosula, das eigene Vorstellungsvermögen setze die eigentliche Grenze – sie habe sich das heutige Potenzial früher ja auch nicht vorstellen können. Zum Schluss dieses Themenblocks erzählt sie von ihrer Zeit als Tänzerin in Japan, in der sie nie als gut genug galt und nie die Ambition hatte, Startänzerin zu werden: „Ich gebe, was ich gebe.“

Zum Schluss: Bücher, Website und wo man Rosula findet

Rosula verweist für Kontakt auf ihre Website und erklärt, dass ihr letztes Buch „Die Stille der Yaks“ nur auf Französisch erschienen ist; den deutschen Text kann man bei ihr per E-Mail dazu bestellen. Auf Social Media ist sie kaum aktiv – die Website sei der bessere Zugang. Michi bedankt sich herzlich für das Gespräch.


Die zentrale Erkenntnis dieser Folge

Führung mit Tieren zeigt bei Rosula Blanc ein einfaches Muster: Je stärker sie versucht zu kontrollieren, desto weniger Raum bleibt für Eigenständigkeit, Vertrauen und echte Zusammenarbeit. Erst als sie lernte, ihrer Karawane als Organismus zu vertrauen, statt jedes einzelne Tier zu steuern, entwickelte sich aus dem Diensttier ein Partner, der ihr genauso viel zurückgibt, wie sie ihm beibringt.


Kapitel / Time Stamps

  • 00:00 – Teaser & Intro: Eine Frau, die mit ihren Yaks ohne Halfter lebt
  • 01:30 – Energiearbeit: Was der Butō-Tanz in Japan sie über Präsenz lehrte
  • 04:23 – Der persönliche Raum zwischen Hirte und Herde
  • 05:57 – Kurzer Break: Like, Abo und das Reconnect Retreat
  • 06:43 – Die Karawane als Organismus: scheue Tiere und die Sprache der Hörner
  • 12:23 – Ohne Halfter: Wie sich die Karawane selbst organisiert
  • 14:14 – Highlights, Hochsensibilität und Präsenz als Genussmoment
  • 22:25 – Das Leittier-Konzept und die Frage, ob Yaks Fehler machen
  • 26:11 – Wie Wasser: Bewegung, Schreckreaktion und die Grenze zwischen Freiheit und Bindung
  • 32:56 – Mehr als Nutztiere: Das ungenutzte Beziehungspotenzial
  • 37:06 – Kommunikation ohne Worte: Wo liegen die Grenzen?
  • 44:46 – Von Basel über fünf Jahre Japan zu den Yaks
  • 51:16 – Kein Buch, keine Anleitung: Alles selbst herausfinden
  • 57:53 – Von Ost-Tibet in die Schweiz: Eine gemeinsame Sprache mit den Yaks
  • 1:00:55 – Stille, Alleinsein und der Blick nach vorn
  • 1:11:12 – Der Wendepunkt: Als aus dem Diensttier ein Partner wurde
  • 1:19:21 – Was noch alles möglich ist – und warum sie nie die perfekte Tänzerin war
  • 1:24:19 – Zum Schluss: Bücher, Website und wo man Rosula findet

Für wen ist die Folge relevant?

  • Für Führungskräfte, die lernen wollen, wie Führung ohne ständige Kontrolle funktionieren kann
  • Für alle, die sich für intuitive, nonverbale Kommunikation zwischen Mensch und Tier interessieren
  • Für Menschen, die einen unkonventionellen Lebensweg gehen oder erwägen
  • Für alle, die sich mit Stille, Alleinsein und Präsenz beschäftigen

Weiterführende Links

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